Vielleicht geht es in diesem Leben gar nicht darum, anderen Menschen zu erklären, wie sie zu leben haben.
Vielleicht geht es vielmehr darum, dass wir uns selbst wieder daran erinnern, wer wir eigentlich sind.
Wir leben in einer Zeit des Wandels.
Eine neue Zeit entsteht – und mit ihr vielleicht auch die Aufgabe, bewusster zu leben, bewusster zu fühlen und bewusster Entscheidungen zu treffen.
Doch Bewusstsein kann man niemandem vorschreiben!
Man kann niemanden dazu zwingen, hinzusehen.
Nicht auf sich selbst.
Nicht auf seine Gefühle.
Und schon gar nicht auf die eigenen Schatten.
Denn wir alle wollen gerne das Licht sein.
Wir wollen gut sein. Stark sein. Liebevoll sein – und zwar immer….
Wir möchten die schönen Seiten von uns zeigen und vielleicht manchmal selbst daran glauben, dass nur diese Seiten zu uns gehören.
Aber wo Licht ist, ist immer auch Schatten.
Und vielleicht beginnt echtes Bewusstsein genau dort, wo wir aufhören, diesen Schatten bekämpfen oder verstecken zu wollen.
Yin und Yang
Zwei Gegensätze, die sich nicht gegenseitig vernichten müssen, sondern gemeinsam ein Ganzes -Symbiose ergeben.
Licht und Dunkelheit.
Stärke und Verletzlichkeit.
Ruhe und Bewegung.
Nähe und Abgrenzung.
Geben und Empfangen.
Balance bedeutet nicht, sich für eine Seite entscheiden zu müssen.
Balance bedeutet für mich, beide Seiten in mir zu kennen, sie anzunehmen und zu lernen, bewusst mit ihnen zu leben.
Vielleicht fasziniert mich gerade deshalb das Yin und Yang heute noch einmal auf eine ganz andere Weise.
Manchmal wählen wir Symbole, Wege oder Entscheidungen, deren Bedeutung wir erst Jahre später wirklich begreifen.
Und irgendwann schaut man zurück und denkt:
Wie konnte ich damals schon etwas wählen, dessen Bedeutung ich erst heute wirklich verstehe? (wir leben das Leben vorwärts,aber verstehen es rückwärts)
Auch wir Menschen haben unterschiedliche Seiten und unterschiedliche Rollen.
Ich kann privat anders sein als in meiner Arbeit.
Ich kann weich sein und trotzdem Grenzen setzen.
Ich kann Menschen halten und trotzdem nicht alles tragen.
Ich kann Licht geben und gleichzeitig meine eigenen dunklen Seiten kennen.
Das eine macht das andere nicht falsch.
Vielleicht macht genau das uns vollständig.
Und genau deshalb bedeutet Balance für mich auch nicht, anderen Menschen zu sagen, was richtig oder falsch ist.
Ich möchte niemandem vorschreiben, welchen Weg er gehen soll.
Ich möchte vielmehr Hilfestellung geben.
Einen Raum schaffen, in dem ein Mensch wieder innehalten kann.
In sich hineinspüren kann.
Seine eigene Stimme wieder hört.
Sein Gefühl überhaupt wieder wahrnimmt.
Denn davon haben wir uns in unserer heutigen Welt vielleicht viel zu weit entfernt.
Wir funktionieren.
Wir erfüllen Erwartungen.
Wir passen uns an.
Wir suchen Antworten im Außen.
Und irgendwann wissen wir gar nicht mehr, wie sich unser eigenes Gefühl eigentlich anfühlt.
Dabei liegt die Antwort manchmal längst in uns.
Vielleicht besteht unsere Aufgabe in dieser neuen Zeit deshalb nicht darin, möglichst viele Menschen zu verändern.
Vielleicht besteht sie darin, Menschen dabei zu unterstützen, wieder bei sich selbst anzukommen.
Nicht zu missionieren.
Nicht zu bewerten.
Nicht vorzuschreiben.
Sondern Impulse zu geben.
Fragen zu stellen.
Räume zu öffnen.
Und auch den Schatten nicht sofort wegmachen zu wollen, wenn er sich zeigt.
Denn Heilung, Entwicklung und Bewusstsein bedeuten für mich nicht, dass irgendwann nur noch Licht existiert.
Vielleicht bedeutet es vielmehr:
Ich kenne mein Licht.
Ich kenne meinen Schatten.
Und ich habe aufgehört, vor einem von beiden davonzulaufen.
Das ist Balance
Nicht die Abwesenheit von Gegensätzen.
Sondern die Fähigkeit, mitten zwischen ihnen die eigene Mitte zu finden.
Und vielleicht beginnt genau dort die Entwicklung einer neuen Zeit:
Nicht indem wir anderen sagen, wer sie sein sollen. Sondern indem immer mehr Menschen wieder lernen, sich selbst zu fühlen, sich selbst zu erkennen und aus diesem Bewusstsein heraus zu leben.
Denn Bewusstsein kann man nicht erzwingen
Aber man kann einen Raum schaffen, in dem es entstehen darf.
Ja – und das macht den Gedanken sogar noch vollständiger. Nicht im Sinne von „alles Dunkle ist gut“, sondern: Auch das, womit wir kämpfen, darf zunächst gesehen werden, bevor wir es verändern können. Gerade bei Sucht oder anderen Bewältigungsstrategien ist Akzeptanz nicht dasselbe wie Verharmlosung.
Und vielleicht bedeutet Balance auch, aufzuhören, ständig gegen sich selbst zu kämpfen.
Denn auch unsere dunklen Dämonen gehören zu unserem Weg.
Die Dinge, von denen wir wissen, dass sie uns nicht guttun.
Die Gewohnheiten, in die wir flüchten.
Die Momente, in denen wir versuchen, unser Nervensystem irgendwie zu beruhigen, weil wir gerade keinen anderen Weg finden.
Ich habe mich selbst dafür stellenweise unglaublich unter Druck gesetzt.
Ich wollte stärker sein.
Konsequenter.
Disziplinierter.
Ich wollte bestimmte Dinge einfach abstellen, weil ich doch eigentlich längst „wissen müsste“, wie es besser geht.
Aber vielleicht ist genau das wieder ein Teil von Balance:
Nicht alles muss sofort weg.
Manches möchte erst verstanden werden.
Manches braucht Raum.
Manches braucht Zeit.
Und manches hat uns vielleicht sogar eine Zeit lang geholfen, etwas auszuhalten, bevor wir gelernt haben, anders damit umzugehen.
Das bedeutet nicht, dass wir an Dingen festhalten müssen, die uns schaden.
Es bedeutet nur, dass wir uns nicht selbst bekämpfen müssen, um uns zu verändern.
Denn auch unser Schatten möchte gesehen werden.
Auch unsere Schwäche darf existieren.
Auch ein Rückschritt darf Teil einer Entwicklung sein.
Auch Dunkelheit hat ihren Platz.
Alles im Leben hat seine Zeit.
Alles darf Raum haben.
Alles darf seinen Platz haben.
Und manches darf irgendwann auch wieder gehen
Vielleicht ist genau das Yin und Yang.
Nicht das Dunkle auszulöschen, damit nur noch Licht übrig bleibt.
Sondern zu begreifen, dass beides zu unserem Menschsein gehört – und bewusst zu entscheiden, welchem Teil wir wann wie viel Raum geben.
Denn Balance bedeutet nicht, immer perfekt in seiner Mitte zu stehen.
Balance bedeutet auch, zu merken, wenn man sie verloren hat – und den Weg zurück zu sich selbst wiederzufinden
Namaste und gute Reise – Franziska von Seelenbalsam