Es gibt diese Momente im Leben, da hat man eine Idee, eine richtig schöne Idee.
Man sieht etwas vor seinem inneren Auge, spürt Begeisterung, bekommt Energie und möchte am liebsten sofort loslegen. Menschen zusammenbringen, Gemeinschaft schaffen, etwas bewegen…
Ich bin so ein Mensch – eine Netzwerkerin
Wenn ich für etwas brenne, dann stehe ich nicht daneben und schaue zu. Ich mache. Ich organisiere. Ich denke weiter. Ich bringe Ideen ein. Manchmal wahrscheinlich auch zu viele. 😉 Und ja – ich kann stur und bockbeinig sein, denn ich habe Vorstellungen und Werte, die mir wichtig sind. (Das weiß ich über mich.)
In diesem Jahr durfte ich aber noch etwas anderes über mich lernen:
Nicht jede gute Idee funktioniert mit jedem Menschen.
Und manchmal scheitert nicht einmal die Idee. Manchmal passt einfach die Konstellation nicht.
Ich wollte Menschen zusammenbringen, Gemeinschaft schaffen, einen Raum, in dem unterschiedliche Menschen willkommen sind. Einen Ort, an dem nicht sofort bewertet wird, wer zu viel macht, wer zu wenig macht, wer richtig oder wer falsch ist…
Doch Gemeinschaft, klingt scheinbar nur in der Theorie wunderschön…
In der Realität bedeutet Gemeinschaft auch, dass unterschiedliche Charaktere, Erwartungen, Bedürfnisse und Vorstellungen aufeinandertreffen.
Und plötzlich merkt man:
Was für den einen Ordnung bedeutet, fühlt sich für den anderen nach Kontrolle an.
Was der eine als Engagement empfindet, ist dem anderen schon zu viel.
Während wiederum jemand anderes angeblich zu wenig beiträgt.
Und irgendwann steht man da und fragt sich:
Wie viel muss ich von mir selbst zurücknehmen, damit ich irgendwo hineinpasse?
Meine Antwort darauf wird immer deutlicher:
Ich möchte mich reflektieren. Ich möchte meine eigenen Fehler erkennen. Ich möchte lernen, Kompromisse einzugehen und ich möchte mich durchaus fragen können, ob vielleicht auch ich gerade diejenige bin, die stur ist.
Aber ich möchte mich nicht verbiegen
Denn es gibt einen Unterschied zwischen einem Kompromiss und dem Gefühl, ständig gegen die eigene innere Haltung arbeiten zu müssen.
Das habe ich in diesem Jahr gleich mehrfach lernen dürfen.
Denn wenn man voller Begeisterung etwas beginnt und irgendwann feststellt, dass es nicht funktioniert, kommt schnell dieser Gedanke:
Schon wieder gescheitert.
Aber vielleicht stimmt das überhaupt nicht.
Vielleicht besteht persönliches Wachstum manchmal darin, nicht mehr jahrelang an etwas festzuhalten, nur weil man einmal damit angefangen hat.
Vielleicht darf man irgendwann sagen:
Ich habe es versucht. Ich habe meinen Teil gegeben. Und jetzt gehe ich.
Genau das habe ich heute getan.
Ich hatte etwas zugesagt und ich habe es durchgezogen und ich hatte Freude daran.
Und danach bin ich gegangen, nicht mit einem großen Knall.
Einfach gegangen.
Und während ich darüber nachdenke, merke ich, dass darin etwas sehr Friedliches liegt.
Ich muss niemanden davon überzeugen, dass meine Vorstellung die richtige ist.
Andere Menschen dürfen Dinge anders machen.
Sie dürfen andere Prioritäten haben.
Sie dürfen ihre eigenen Erfahrungen sammeln.
Und ich darf genauso entscheiden:
Das passt nicht zu mir
Vielleicht ist genau das eine der schwierigsten Lektionen für Menschen wie mich, die gerne etwas bewegen:
Nicht jede Tür, die wir öffnen, müssen wir anschließend auch durchschreiten.
Nicht jedes Projekt, das wir beginnen, müssen wir bis zum bitteren Ende begleiten.
Und nicht jeder Mensch, mit dem wir eine gemeinsame Idee haben, ist deshalb automatisch ein Mensch, mit dem wir diese Idee auch gemeinsam verwirklichen können.
Manchmal besteht die eigentliche Erkenntnis eines Projektes darin herauszufinden, wie man es nicht mehr möchte.
Und vielleicht war genau das mein Geschenk aus dieser Erfahrung
Denn eines weiß ich trotzdem:
Ich möchte weiterhin Menschen verbinden.
Ich möchte weiterhin Ideen haben.
Ich möchte weiterhin Dinge auf die Beine stellen.
Ich möchte weiterhin diejenige sein, die manchmal ein bisschen zu viel Energie, zu viele Ideen und zu viel Begeisterung mitbringt.
Nur möchte ich inzwischen genauer hinschauen, wohin ich diese Energie gebe
Denn meine Energie ist kostbar!!!!
Und nur weil etwas nicht funktioniert hat, bedeutet das nicht, dass ich falsch bin.
Es bedeutet auch nicht, dass die anderen falsch sind.
Manchmal bedeutet es lediglich:
Wir passen nicht zusammen.
Und dann darf man einander auch ziehen lassen.
Ohne Krieg, ohne Sieger, ohne Verlierer.
Vielleicht sogar mit einem kleinen Danke für die Erkenntnis.
Und anschließend nimmt man seine Energie, seine Ideen und sein Feuer wieder mit.
Denn nur weil ein Weg endet, bedeutet das noch lange nicht, dass auch die Vision dahinter gestorben ist.
Manchmal muss man einen Ort verlassen, damit wieder Platz entsteht für den Ort, an den man wirklich gehört.
Klarheit dient dir, sie nimmt dir vielleicht eine Illusion – aber sie gibt dir deinen Weg zurück.