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Wenn wir über unseren Po sprechen, geht es erstaunlich häufig nur um eines: Wie sieht er aus?

Ist er zu groß? Zu klein? Rund genug? Straff genug? Hat er Cellulite? Sitzt die Hose richtig?

Dabei wird eines vollkommen vergessen:

Unser Po ist nicht einfach nur Dekoration. Er ist ein wichtiger Bestandteil unseres Bewegungsapparates und leistet jeden einzelnen Tag unglaublich viel für uns.

Vielleicht ist es also höchste Zeit, unserem Hinterteil ein wenig mehr Aufmerksamkeit und vor allem Wertschätzung zu schenken.

Drei Muskeln mit einer großen Aufgabe

Was wir umgangssprachlich als „Po“ bezeichnen, besteht natürlich nicht nur aus einem einzigen Muskel. Besonders wichtig sind drei Gesäßmuskeln:

Musculus gluteus maximus – der große Gesäßmuskel

Musculus gluteus medius – der mittlere Gesäßmuskel

Musculus gluteus minimus – der kleine Gesäßmuskel

Der Gluteus maximus gehört zu den größten und kräftigsten Muskeln unseres Körpers.

Und das hat einen guten Grund.

Er unterstützt uns unter anderem dabei, die Hüfte zu strecken und unseren Körper aus einer gebeugten Position wieder aufzurichten. Er wird besonders gefordert, wenn wir aufstehen, Treppen steigen, bergauf gehen, laufen oder springen.

Die kleineren Gesäßmuskeln übernehmen wiederum wichtige Aufgaben bei der Stabilisierung des Beckens und bei Bewegungen des Beines.

Beim Gehen beispielsweise muss unser Becken bei jedem einzelnen Schritt stabilisiert werden. Sonst würde es ständig unkontrolliert zur Seite absinken.

Unser Po ist also nicht einfach nur „da“

Er trägt, stabilisiert, bewegt und richtet uns auf.

Unser Po verbindet oben und unten (was auch viel mit Traumaspeichern zu tun hat… ich bin einige der wenigen Therapeuten, die ausführlich ISG – Hinternmassage macht)

Besonders interessant wird es, wenn wir aufhören, einzelne Muskeln isoliert zu betrachten.

Unser Körper funktioniert schließlich nicht wie eine Sammlung einzelner Ersatzteile.

Gesäß, Hüfte, Becken, Beckenboden, Bauch, Rücken und Beine arbeiten ständig miteinander

Die Gesäßmuskulatur befindet sich dabei genau an einer entscheidenden Schnittstelle: zwischen Rumpf und Beinen.

Bei jedem Schritt müssen Kräfte übertragen und Bewegungen kontrolliert werden. Das Becken muss stabil bleiben, während sich unsere Beine bewegen. Gleichzeitig muss sich die Hüfte frei bewegen können.

Deshalb kann eine schlecht funktionierende Gesäßmuskulatur Auswirkungen auf unsere gesamten Bewegungsmuster haben.

Das bedeutet allerdings nicht, dass bei Rücken-, Hüft- oder Knieschmerzen automatisch „der Po schuld“ ist. Unser Bewegungsapparat ist viel komplexer. Zähne strahlen auch mit rein.

Aber genau deshalb lohnt es sich, diese Region nicht zu vergessen.

Sitzen wir unseren Po eigentlich kaputt?

Wir sitzen: im Auto, am Schreibtisch, auf dem Sofa, beim Essen, beim Fernsehen….

Und dann sitzen wir manchmal noch im Fitnessstudio auf einem Gerät, weil wir vorher den ganzen Tag gesessen haben. 😉

Natürlich wird unser Po durch Sitzen nicht plötzlich funktionslos.

Aber unser Körper liebt Abwechslung und Bewegung

Wenn wir über viele Stunden sitzen, bewegt sich unsere Hüfte nur wenig. Die Gesäßmuskulatur muss über längere Zeit kaum größere Hüftstreckbewegungen leisten.

Fehlt dann auch außerhalb dieser Sitzzeiten Bewegung, kann sich das langfristig auf Beweglichkeit, Kraft und Bewegungsmuster auswirken.

Die Antwort darauf lautet deshalb nicht:

„Du darfst nie wieder sitzen.“

Sondern vielmehr:

Beweg dich regelmäßig und abwechslungsreich

Steh zwischendurch auf. Geh ein paar Schritte. Beweg deine Hüften. Geh spazieren. Nimm öfter die Treppe. Geh in die Natur.

Unser Körper braucht nicht unbedingt ständig komplizierte Übungen.

Manchmal braucht er einfach wieder das, wofür er gemacht wurde:

Bewegung

Und was hat der Po mit dem Rücken zu tun?

Eine ganze Menge – allerdings nicht so simpel, wie es manchmal dargestellt wird.

Die Gesäßmuskulatur unterstützt die Bewegungen und Stabilität von Hüfte und Becken. Gemeinsam mit Bauch-, Rücken- und anderen Hüftmuskeln beeinflusst sie, wie Kräfte durch unseren Körper übertragen werden.

Funktioniert dieses Zusammenspiel nicht optimal, können andere Strukturen stärker beansprucht werden.

Das kann beispielsweise den unteren Rücken betreffen.

Aber auch hier gilt: Rückenschmerzen haben sehr unterschiedliche Ursachen. Ein kräftiger Po ist deshalb kein Allheilmittel gegen Rückenschmerzen.

Vielmehr geht es um ein gesundes Zusammenspiel aus Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Wahrnehmung.

Faszien – nichts in unserem Körper endet einfach irgendwo

Auch das fasziale und bindegewebige Zusammenspiel macht diese Körperregion spannend.

Muskeln liegen nicht wie einzelne Pakete unabhängig voneinander in unserem Körper. Sie sind von Bindegewebe umgeben und stehen funktionell mit benachbarten Strukturen in Verbindung.

Gesäß, unterer Rücken, Hüfte und Oberschenkel beeinflussen sich deshalb gegenseitig.

Vielleicht kennt ihr das sogar:

Manchmal fühlt sich der Po hart oder verspannt an. Manchmal zieht etwas Richtung Hüfte oder Oberschenkel. Manchmal hat man das Gefühl, dass die gesamte Region unbeweglich geworden ist.

Dann lohnt sich ein Blick auf das große Ganze

Wo fehlt Bewegung?

Wo fehlt Kraft?

Wo wird ständig kompensiert?

Wo wird vielleicht zu viel Spannung gehalten?

Und wo braucht der Körper einfach einmal Entlastung?

Der Ischias – wenn der Schmerz durch den Po zieht

Durch die tieferen Bereiche der Gesäßregion verläuft außerdem der große Ischiasnerv.

Deshalb sollte man bei Schmerzen im Gesäß nicht automatisch davon ausgehen, dass einfach „ein Muskel verspannt“ ist.

Beschwerden können aus verschiedenen Strukturen entstehen – beispielsweise aus dem Bereich der Wirbelsäule, der Hüfte, des Beckens, aus Muskeln und Sehnen oder aus Nervenstrukturen.

Vor allem wenn Schmerzen stark ins Bein ausstrahlen oder Taubheitsgefühle, Kribbeln beziehungsweise Kraftverlust auftreten, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.

Denn auch hier gilt:

Nicht jeder Schmerz braucht mehr Druck. Manchmal braucht er zunächst eine vernünftige Diagnose.

Kraft allein ist nicht alles

Beim Thema Po denken viele sofort an Kniebeugen, Ausfallschritte und möglichst viel Muskeltraining.

Training kann natürlich wunderbar sein.

Aber ein gesunder Körper braucht mehr als Kraft.

Er braucht Kraft und Beweglichkeit. Stabilität und Flexibilität. Spannung und Entspannung. Belastung und Regeneration.

Ein Muskel, der kräftig aussieht, muss nicht automatisch funktionell optimal arbeiten.

Und ein Po muss auch nicht irgendeinem Schönheitsideal entsprechen, um gesund zu sein.

Vielleicht sollten wir deshalb viel häufiger fragen:

Wie fühlt sich mein Körper an?

Kann ich mich frei bewegen?

Kann ich problemlos vom Boden aufstehen?

Kann ich Treppen steigen?

Kann ich längere Strecken gehen?

Fühlt sich meine Hüfte beweglich an?

Kann mein Körper Kraft entwickeln und anschließend wieder entspannen?

Das sind für mich viel spannendere Fragen als die Frage nach einer bestimmten Hosengröße.

Der Po und der Beckenboden

Auch der Beckenboden gehört zum Gesamtbild.

Gesäßmuskulatur, Beckenboden, Bauchmuskulatur, tiefe Rückenmuskulatur und Zwerchfell sind Bestandteile eines komplexen Systems, das unseren Rumpf stabilisiert.

Bei Bewegung, Atmung, Heben oder Aufstehen verändern sich Druck und Spannung innerhalb dieses Systems ständig.

Und genau hier zeigt sich wieder etwas, was ich in meiner Arbeit immer wieder faszinierend finde:

Der Körper denkt nicht in einzelnen Muskeln.

Wir Menschen tun das.

Wir sagen: „Mein Rücken.“

„Meine Hüfte.“

„Mein Knie.“

„Mein Nacken.“

„Mein Po.“

Unser Körper dagegen arbeitet als Einheit.

Und dann wäre da noch die Sache mit der Cellulite …

Natürlich darf sie bei einem Artikel über den Po nicht fehlen.

Cellulite ist unglaublich häufig und zunächst einmal kein Zeichen dafür, dass mit einem Körper etwas nicht stimmt.

Die typische Dellenstruktur hängt unter anderem mit dem Aufbau von Haut, Unterhautgewebe, Bindegewebe und Fettgewebe zusammen. Hormone, Genetik und individuelle Gewebestrukturen spielen ebenfalls eine Rolle.

Trotzdem wird Frauen seit Jahrzehnten vermittelt, ihr Po müsse möglichst glatt, fest und makellos aussehen. (es hilft alles was die Haut besser durchblutet… nicht so gut sind dagegen alle Stoffe, die, die Gefäße erweitern)

Vielleicht dürfen wir auch hier einmal unsere Perspektive verändern.

Unser Po ist schließlich nicht dafür gebaut worden, auf einem bearbeiteten Foto perfekt auszusehen.

Er ist dafür gemacht, uns durchs Leben zu tragen.

Und das finde ich persönlich wesentlich beeindruckender.

Vielleicht sollten wir unseren Körper wieder mehr fühlen als beurteilen

Genau das ist für mich der eigentlich spannende Gedanke hinter diesem Thema.

Wir leben in einer Welt, in der wir unseren Körper ständig anschauen.

Wir betrachten ihn im Spiegel.

Wir fotografieren ihn.

Wir vergleichen ihn.

Wir bewerten ihn.

Zu dick.

Zu dünn.

Zu weich.

Zu faltig.

Zu wenig Muskeln.

Zu viel Cellulite.

Aber wie häufig fragen wir unseren Körper eigentlich:

Wie geht es dir?

Wo fühlst du dich frei?

Wo fühlst du dich stark?

Wo hältst du Spannung?

Wo brauchst du Bewegung?

Wo brauchst du Berührung?

Und wo brauchst du vielleicht einfach Ruhe?

Unser Körper ist so viel mehr als seine äußere Form

Und vielleicht ist ausgerechnet unser Hinterteil ein wunderbares Beispiel dafür.

Denn während wir vor dem Spiegel darüber diskutieren, ob unser Po rund genug ist, erledigt er im Hintergrund ziemlich zuverlässig seinen Job.

Er stabilisiert.

Er bewegt.

Er richtet auf.

Er trägt.

Und er begleitet uns – Schritt für Schritt – durch unser gesamtes Leben.

Also: ein Hoch auf unseren Hintern!

Vielleicht dürfen wir unserem Po ab heute etwas anders begegnen.

Nicht nur mit dem Blick in den Spiegel.

Sondern mit Bewegung.

Mit Wahrnehmung.

Mit Pflege.

Mit Berührung.

Mit Training.

Mit Entspannung.

Und vor allem mit etwas mehr Wertschätzung.

Denn egal ob klein, groß, rund, flach, straff oder mit Dellen:

Unser Po ist viel mehr als nur eine schöne Rückseite.

Er ist ein wichtiger Teil unseres Fundaments.

Und manchmal beginnt ein anderes Körpergefühl genau dort, wo wir aufhören, unseren Körper nur zu bewerten – und anfangen, ihn wieder wahrzunehmen.

Seelenbalsam – Zeit für dich. Zeit für deinen Körper.

Das schönste Zitat was ich erst neustens gehört habe und mich total geflasht hat, von Dr.Janos Winkler: Wer mit 40 seinen Ar*** verliert, braucht sich nicht wundern, wenn er oder sie mit 60 sein Gehirn verliert.

Seit dem bin ich nun auch wieder täglich motiviert, mich mehr zu bewegen und Sportübungen zu machen.

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