Was siehst du, wenn du in den Spiegel blickst?
Wann hast du dir eigentlich das letzte Mal wirklich in die Augen geschaut?
Nicht morgens zwischen Zähneputzen, Haare machen und dem ersten Termin. Nicht mit dem prüfenden Blick auf Falten, Augenringe, Gewicht oder all die vermeintlichen Kleinigkeiten, die wir an uns verändern möchten.
Sondern wirklich, Dir selbst in die Augen.
Und dich gefragt: Bin ich glücklich?
Und wenn die Antwort nicht aus tiefstem Herzen „Ja“ lautet – was glaubst du, müsste passieren, damit du glücklich wärst?
Müsste mehr Geld auf deinem Konto sein? Müsstest du erfolgreicher werden? Ein paar Kilo verlieren? Einen anderen Beruf haben? Müsste endlich der richtige Mensch in dein Leben treten? Müsste jemand zurückkommen? Müssten andere Menschen dich endlich verstehen, anerkennen oder lieben?
Wir Menschen sind erstaunlich gut darin, unser Glück an Bedingungen zu knüpfen.
Wenn … dann.
Wenn ich dieses Ziel erreicht habe, dann bin ich zufrieden.
Wenn ich endlich angekommen bin, dann kann ich entspannen.
Wenn mich jemand wirklich liebt, dann fühle ich mich wertvoll.
Wenn diese schwierige Zeit vorbei ist, dann fängt mein Leben wieder an.
Aber genau darin liegt eine Gefahr:
Während wir auf das Leben warten, das uns irgendwann glücklich machen soll, findet unser eigentliches Leben längst statt.
Der Mensch im Spiegel begleitet dich dein ganzes Leben
Ich schaue jeden Morgen in den Spiegel.
Und natürlich sehe auch ich Dinge, die ich verändern könnte. Wir alle haben unsere Ecken, Kanten, Unsicherheiten, Fehler und Baustellen.
Aber ich wünsche mir morgens nicht, ein anderer Mensch zu sein!
Ich wünsche mir etwas anderes:
Ich möchte heute eine bessere Version meiner selbst sein als gestern.
Und „besser“ bedeutet für mich nicht schöner, dünner, erfolgreicher, perfekter oder angepasster.
Es bedeutet bewusster.
Liebevoller. Mutiger. Dankbarer. Aufrichtiger.Vielleicht auch gelassener.
Und manchmal bedeutet eine bessere Version von mir sogar, weniger zu tun. Eine Grenze zu setzen. Nein zu sagen. Mich zurückzuziehen. Nicht mehr jedem gefallen zu wollen. Einen Fehler einzugestehen. Mich zu entschuldigen. Oder etwas loszulassen, obwohl ein Teil von mir noch daran festhalten möchte.
Persönliche Entwicklung ist für mich kein Wettbewerb.
Ich möchte nicht besser sein als andere.
Ich möchte immer mehr die Frau werden, die ich tief in mir bereits bin.
Auch die dunklen Seiten gehören in den Spiegel
Genau deshalb berührt mich das Bild mit dem Spiegel so sehr.
Denn wenn wir ehrlich sind, tragen wir nicht nur Licht in uns.
Wir können liebevoll sein – und wütend.
Stark – und verletzlich.
Mutig – und manchmal voller Angst.
Großzügig – und trotzdem neidisch.
Geduldig – und an anderen Tagen vollkommen genervt.
Wir können vergeben und trotzdem noch verletzt sein.
Wir können jemanden lieben und gleichzeitig wissen, dass dieser Mensch keinen Platz mehr in unserem Leben haben sollte.
Das alles macht uns nicht zu schlechten Menschen.
Es macht uns menschlich.
Für mich bedeutet Heilung deshalb auch nicht, irgendwann nur noch die „gute“ Seite im Spiegel zu sehen.
Vielleicht besteht wirkliche Heilung darin, beide Seiten ansehen zu können, ohne vor einer davon davonzulaufen. Das ist ein Prozess, aber bedeutet viel Freiheit, wenn du das für dich erreicht hast.
Zu sagen:
Ja, auch das bin ich.
Da ist meine Stärke – aber da sind auch meine Ängste.
Da ist meine Liebe – aber da ist auch meine Wut.
Da ist mein Vertrauen – und irgendwo sitzt noch eine alte Verletzung.
Da ist die Frau, die schon unglaublich viel geschafft hat – und gleichzeitig die Frau, die manchmal einfach nur gehalten werden möchte.
Wir müssen unsere Schatten nicht lieben.
Aber wir sollten verstehen, dass sie etwas erzählen.
Vielleicht musst du nicht auf dein Glück warten
Manchmal stellen wir uns Glück wie einen großen Endpunkt vor.
Als würden wir irgendwann ankommen und dann wäre plötzlich alles richtig.
Aber vielleicht ist Glück viel unspektakulärer.
Vielleicht ist Glück der Kaffee oder Tee am Morgen, den wir bewusst trinken.
Die Sonne im Gesicht.
Das Meer.
Ein ehrliches Gespräch.
Eine Umarmung.
Ein Mensch, bei dem wir nichts vorspielen müssen.
Das Gefühl, nach einem schweren Tag ins Bett zu gehen und zu wissen: Ich habe heute mein Bestes gegeben.
Vielleicht bedeutet Glück nicht, dass nichts mehr weh tut.
Vielleicht bedeutet Glück, trotz allem, was gewesen ist, wieder etwas Schönes sehen zu können.
Und vielleicht beginnt Zufriedenheit genau in dem Moment, in dem wir aufhören zu sagen:
„Ich werde glücklich sein, wenn …“
und anfangen zu erkennen:
„Ich darf heute schon glücklich sein, obwohl noch nicht alles perfekt ist.“
Was möchtest du morgen im Spiegel sehen?
Natürlich dürfen wir Wünsche haben.
Wir dürfen träumen.
Wir dürfen große Ziele haben und uns nach Liebe, Erfolg, Sicherheit, Familie, Veränderung oder einem vollkommen neuen Leben sehnen.
Ich glaube sogar, dass Sehnsucht etwas Wundervolles sein kann. Sie zeigt uns, dass etwas in uns lebendig ist.
Aber unser heutiges Leben sollte nicht der Wartesaal für unser zukünftiges Glück werden.
Deshalb möchte ich mir morgens viel öfter eine andere Frage stellen:
Nicht:
Was fehlt mir noch?
Sondern:
Wer möchte ich heute sein?
Wie möchte ich heute mit Menschen umgehen?
Wie möchte ich mit mir selbst sprechen?
Was möchte ich heute nicht mehr mit mir machen lassen?
Wofür möchte ich dankbar sein?
Wo darf ich mutiger sein?
Wo darf ich weicher werden?
Was kann ich heute tun, damit ich heute Abend in den Spiegel schaue und sagen kann:
„Ja. Heute war ich ein kleines Stück mehr die Frau, die ich sein möchte.“
Und manchmal wird das gelingen.
Manchmal auch nicht.
Auch das gehört dazu.
Dann beginnt am nächsten Morgen eben ein neuer Tag.
Du bist kein fertiges Produkt
Vielleicht liegt genau darin etwas Befreiendes:
Wir müssen nicht irgendwann „fertig“ sein.
Wir dürfen uns verändern.
Wir dürfen Meinungen ändern.
Wir dürfen Menschen entwachsen.
Wir dürfen neue Wege einschlagen.
Wir dürfen feststellen, dass ein Traum, den wir vor zehn Jahren hatten, heute gar nicht mehr zu uns passt.
Und wir dürfen uns selbst immer wieder neu kennenlernen.
Der Mensch, der dir morgens im Spiegel entgegenblickt, trägt deine ganze Geschichte in sich.
Er trägt deine Entscheidungen, deine Fehler, deine Verluste, deine Erfolge, deine Narben, deine Träume und all die Male, in denen du dachtest, du könntest nicht mehr – und trotzdem weitergegangen bist.
Vielleicht verdient dieser Mensch deshalb nicht zuerst Kritik.
Vielleicht verdient er erst einmal ein bisschen Anerkennung.
Und deshalb frage ich dich heute …
Schau einmal bewusst in den Spiegel.
Nicht auf deine Haare.
Nicht auf deine Haut.
Nicht auf deinen Körper.
Schau dir in die Augen.
Und frag dich:
Was sehe ich?
Wer bin ich geworden?
Was wünsche ich mir wirklich?
Welche Vorstellung von Glück trage ich eigentlich in mir?
Warte ich darauf, dass jemand oder etwas von außen mein Leben verändert?
Und dann stell dir noch eine letzte Frage:
Was kann ich selbst heute tun, um meinem glücklichen Ich ein kleines Stück näherzukommen?
Vielleicht ist es nur eine winzige Entscheidung.
Vielleicht ist es ein Nein.
Vielleicht ein Ja.
Vielleicht ein Anruf.
Vielleicht ein Abschied.
Vielleicht ein erster Schritt.
Vielleicht einfach nur die Entscheidung, heute ein bisschen freundlicher mit dir selbst zu sein.
Ich werde jedenfalls auch morgen früh wieder in meinen Spiegel schauen.
Nicht mit dem Anspruch, perfekt zu sein.
Sondern mit dem Wunsch, weiter zu wachsen.
Nicht zu einer besseren Version für die Welt.
Sondern zu einer besseren Version meiner selbst.
Denn am Ende meines Lebens möchte ich nicht sagen müssen:
Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, endlich glücklich zu werden.
Ich möchte sagen können:
Ich habe gelebt.
Ich habe geliebt.
Ich habe gelernt.
Ich habe mich verändert.
Ich bin gefallen und wieder aufgestanden.
Und ich habe jeden Tag versucht, mir selbst ein kleines Stück näherzukommen.
Denn vielleicht ist genau das der Weg.
Nicht irgendwann bei sich anzukommen.
Sondern sich selbst auf dem Weg niemals zu verlieren. ❤️
Lebe im hier und jetzt, denn wir wissen nie, was im nächsten Moment passiert.